Farbliche Gestaltung – Anleitung Portraitmalen Teil 5

Das ist der fünfte Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“. Die Übersichtsseite finden Sie hier


Farbliche Gestaltung:

Eine wichtige Regel bei der farblichen Gestaltung ist, dass man immer vom Hintergrund zum Vordergrund malt. Dies ist so, weil Dinge im Vordergrund Dinge im Hintergrund überdecken.

Es gibt zwei große Bereiche auf unserem Portrait-Bild: den Hintergrund selbst und das Portrait im Vordergrund, das Bereiche des Hintergrunds überdeckt.

Auch im Portrait selbst gibt es verschiedene Ebenen, bei denen eine Reihenfolge eingehalten werden sollte, z.B. das Auge: das innere des Auges wird von den Lidern überdeckt, die Wimpern überdecken wiederum das Augenlid.

Man sollte sich also genau überlegen, welche verschiedenen Ebenen es gibt und wie diese zueinander stehen.

Daher fange ich jedes Portrait mit dem Hintergrund an.

1. Hintergrund:

Es gibt Bilder, bei denen der Hintergrund wichtig für die Aussage des Bildes ist (siehe z.B. – Galerie – Film – „Die Bestimmung“). Bei anderen Bildern trägt der Hintergrund nichts zur Aussage des Bildes bei und sollte daher eher schlicht und unauffällig gehalten sein, um nicht vom eigentlichen Bild abzulenken – mein Hintergrund der Wahl ist in solchen Fällen ein „Wolkenhimmel“.

Folgende Dinge solltet ihr euch bereitlegen:
alter, nicht zu dicker Pinsel
Rubbelkrepp
Dicker Pinsel (10er)
Farbkasten
Kosmetiktücher
Glas mit sauberem Wasser
Pipette

Um den Hintergrund möglichst schnell und einheitlich gestalten zu können und nicht an den Rändern der Vorzeichnung ganz vorsichtig entlangmalen zu müssen, benutze ich „Rubbelkrepp“ (siehe oben bei Materialien). Rubbelkrepp ist ein sogenannter Maskier-Film, eine flüssige, gummiartige Substanz, die mit dem Pinsel aufgebracht werden kann und dann antrocknet. Er bildet im getrockneten Zustand eine Art Barriere, die unsere Zeichnung vor ungewünschter Einfärbung schützt. Dabei muss nicht die ganze Zeichnung abgedeckt werden (Maskiert werden), es reicht, die Außenlinien mit einer dünnen! Schicht Rubbelkrepp zu bedecken (siehe unten).

Dabei sollte der Pinsel immer von Inneren der Zeichnung nach außen zum Hintergrund ausgerichtet sein.

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Achtung: Zum Auftragen von Rubbelkrepp sollte man einen alten, ausrangierten Pinsel benutzen, da sich das Rubbelkrepp leider nicht rückstandslos auswaschen lässt und der Pinsel danach für das Aquarellmalen nicht mehr benutzt werden kann.

So, jetzt kommen wir zum eigentlichen Gestalten des Hintergrunds und unserer ersten Berührung mit den Aquarellfarben.

Wenn man sich die Farben in den Näpfen so ansieht, ist es sehr schwer, sich die Wirkung der Farbe auf dem Papier vorzustellen. Um nicht ständig Farbproben auf einem „Schmierblatt“ machen zu müssen, habe ich mir eine Farbpalette angelegt, auf der ich jede Farbe von der stärksten Farbsättigung bis zur Schwächsten ausgemalt habe. Dabei entspricht jedes Farbkästchen dem Standort des entsprechenden Näpfchens im Farbkasten und ist mit der Farbnummer zu leichteren Nachkauf versehen (siehe auch „Benötigtes Material“)

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Hintergrund:

Zunächst sucht ihr euch einen (oder auch mehrere) Blautöne für den Hintergrund aus. Mit der Pipette tropft ihr einen Tropfen Wasser auf den entsprechenden Blauton und einige Tropfen auf den Deckel eures Farbkastens (oder eine andere Mischpalette). Nachdem die Farbe im Farbnäpfchen etwas angelöst ist, rührt ihr euch einen gewissen Farbvorrat an. Die Farbe sollte ziemlich wässerich sein, da der Himmel ansonsten wie „angestrichen“ aussieht.

Wenn der Rubbelkrepp angetrocknet ist, feuchten wir den ganzen Bereich des Hintergrunds mit einem dicken Pinsel, ohne Farbe, gut an (feucht, aber keine Pfützen auf dem Papier). Durch das Anfeuchten saugt uns das Papier nicht so schnell die Farbe auf und der Hintergrund kann gleichmäßiger (das heißt hier ohne Farbkanten) gestaltet werden und bleibt länger zur Bearbeitung feucht.

Jetzt mit dem dicken Pinsel die vorbereitete Farbe ungleichmäßig auf dem Hintergrund verteilen.

Möglichst den ganzen Hintergrund auf einmal fertigmalen, da es sonst doch noch zu unschönen „Trocknungskanten“ kommen kann, die man im ungünstigsten Fall nicht mehr richtig vermalt bekommt.

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Hier sieht man gut, wie die Farbe an der „Rubbelkrepp-Kante“ aufgehalten wird.

Kurz antrocknen lassen und dann mit einem zusammengeknüllten Kosmetik-Tuch „Wolken“ abtupfen.

Mit ein wenig Übung kommen dabei ganz tolle Gebilde zustande.

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Jetzt solle der Hintergrund sehr gut trocknen. Wenn das Blatt wieder richtig trocken ist (ich gehe vorsorglich am Schluss noch einmal mit einem Föhn über den Hintergrund), könnt ihr den Rubbelkrepp abrubbeln. Rubbeln und nicht ziehen! Wenn man den Rubbelkrepp abziehst, macht man sich das Papier unter dem Rubbelkrepp kaputt.

Wo der Rubbelkrepp die Farbe aufgehalten hat, hat sich eine scharfe Farbkante gebildet.

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Da die Haare später den Hintergrund überdecken werden, sind scharfe Kanten, die man später durchschimmern sehen würde, unerwünscht. Daher geht man mit einem angefeuchteten sauberen Pinsel über die Kanten und vermalt die Farbe, um einen weichen Übergang zu bekommen.

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Damit ist der Hintergrund fertig und wir können mit der farblichen Gestaltung des Gesichts beginnen.

Teil 6 folgt in Kürze..

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