Farbliche Gestaltung Haare und Kleidung- Anleitung Portraitmalen Teil 9

Das ist der neunte und letzte Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“.

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Die Haare:

Bei den Haaren werde ich wieder etwas mehr ins Detail gehen.

Um Haar relativ realistisch aussehen zu lassen, ist Fleißarbeit gefragt. Ihr braucht dazu zunächst einen schön spitzen, sehr dünnen Pinsel in 00 oder 0, später einen in 1 und zum Vermalen etwas abgenutztere Pinsel in 1 und 2. Was ich mit „schön spitz“ und „abgenutzt“ meine, seht ihr unten.

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Zunächst strichelt ihr die Umrisse der Haare (immer von innen zum Hintergrund bzw. zum Gesicht hin) mit dem spitzen 00 oder 0er Pinsel. Dadurch entstehen fein auslaufende Härchen. Dort, wo ihr den Pinsel aufsetzt, ist der Strich immer dicker, als dort, wo der Strich ausläuft.

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Dann fangt ihr an, die Flächen mit dem spitzen 1er Pinsel aufzufüllen. Dabei solltet ihr möglichst viele Farbschattierungen verwenden. Je mehr Schattierungen, desto lebendiger und realistischer wirken die Haare. Auch auf die Wuchsrichtung, Länge und Lage der Haare sollte achten gegeben werden.

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(Leider hatte sich hier beim Fotografieren inzwischen die Sonne verzogen und bei Lampenlicht wirken die Farben anders als bei Sonnenlicht)

Wie ihr seht, habe ich den Bereich der Haare nicht vollständig mit kleinen Strichen bedeckt. Wenn die Farbe sehr gut angetrocknet ist (am besten noch einmal den Fön darauf halten), können die Haare „übermalt“ werden – das haben wir auch bei den Augenbrauen schon so gemacht. Mit dem „abgenutzten“ 1er oder 2er Pinsel und stark verdünnter Farbe werden die Haare jetzt übermalt.

Achtung: Nicht zu oft über dieselbe Stelle gehen und nur ganz leicht aufdrücken, sonst wird die Farbe zu sehr angelöst!

Achtung: auch hier nur in Wuchsrichtung bzw. Richtung der Lage der Haare malen!

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Damit ist der Bereich des Gesichts fertig und wir kommen zur Kleidung.

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Die Kleidung:

Auch bei der Kleidung müssen wir wieder auf die Reihenfolge der Ebenen achten:

Zuunterst liegt das Hemd, dann folgt das Jackett und ganz oben liegt die Fliege (auf der rechten Seite überdeckt sie das Jackett). Also beginnen wir mit dem Hemd.

Das Hemd:

Zunächst grundieren wir die ganze Fläche des Hemdes mit Deckweiß. Es ist dann viel einfacher, Schattierungen zu malen (haben wir bei den Augen auch so gemacht). Dann beginnen wir die Schattierungen in verschiedenen Grautönen anzubringen. Dabei benutzen wir möglichst einen anderen Schwarzton, als später für das Jackett und die Fliege – das wirkt nach meinen Erfahrungen besser.

Zunächst wieder grobe Flächen.

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Dabei benutze ich denselben Grauton. Die Helleren und dunkleren Bereiche entstehen dadurch, dass ich nach dem Trocknen eine zweite oder dritte Farbschicht für die dunkleren Bereiche auftrage.

Dann die Flächen vermalen.

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Und zu Schluss Akzente setzen (siehe aufgehellter Kragenrand, Schatten am rechter Halsseite und Naht am linken unteren Rand der Fliege).

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Als nächstes machen wir uns an das Gestalten des Jacketts.

Das Jackett:

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Vorgehensweise im immer – Flächen grundieren und dann vermalen.

Bei dem tiefen Schwarz der linken Jackett-Seite müssen wir eventuell eine zweite Farbschicht auftragen.

Tip: Für größere, einheitlich schwarze Flächen benutze ich Acrylfarbe, da diese viel besser deckt.

Da dies hier eine relativ kleine schwarze Fläche ist und ich sie auch noch strukturieren möchte (obwohl in der Vorlage keine Strukturen zu erkennen sind) benutze ich hier lieber Aquarellfarbe.

Durch Aufhellungen Strukturen einbringen.

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Damit sind wir bei unserer vordersten Ebene angekommen, der Fliege.

 Die Fliege:

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Ich mach es kurz: grundieren und dann durch hellere Schattierungen Strukturen einbringen.

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Das Bild ist nun fertig. Ich schaue es mir immer noch einmal in der Gesamtheit an und vergleiche es mit der Vorlage. Meistens „entschärfe“ ich Licht und Schattenstellen noch einmal um das ganze Bild weicher und stimmiger zu machen. Und als letzte Tat setzte ich meine Unterschrift und das Datum darunter.

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Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht!

Solltet Ihr noch Fragen, Kritik und Anregungen haben, könnt ihr euch gerne mit mir in Verbindung setzen.

Farbliche Gestaltung Wangen, Kinn, Ohren, Stirn und Hals- Anleitung Portraitmalen Teil 8

Das ist der achte Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“.

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Wangen, Kinn, Ohren, Stirn und Hals:

Wie ihr seht, gehe ich immer nach dem gleiche Schema vor:

Farben erst grob flächig auftragen, dann verfeinern und vermalen, am Schluss Akzente setzen.

Handwerklich ist dies kein Problem – es kommt hauptsächlich auf ein gutes Auge für Details an!

Da die Arbeitsschritte sich im Folgenden immer wiederholen, werde ich sie ab jetzt hauptsächlich durch Bilder dokumentieren:

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Hier noch ein kleiner Hinweis:

Unser James Bond ist glatt rasiert. Wenn man genau hinschaut, kann man einen dunklen Bartschatten über seiner Oberlippe erkennen. Will man einen Bartschatten andeuten, nimmt man einen dunklen Buntstift oder Aquarellstift (dunkel braun oder sogar schwarz) und reibt ganz leicht! mit der flachen Seite der Spitze über diese Stellen. Nicht mit dem Pinsel vermalen, das gibt nur eine große Sauerei.

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Viele Männer tragen einen „Drei-Tage-Bart“. Der wird entweder mit kleinen, ungleichmäßigen Punkten und ganz kleinen, dünnen Strichen dargestellt (siehe z.B. in der Galerie –  Film – Seite 5 Alex O’Loughlin) und macht mit Abstand die meiste Arbeit. Längere, vollere Bärte werden mit entsprechend längeren Strichen dargestellt (siehe z.B. in der Galerie –  Film – Seite 5 Hugh Jackmann).

Der größte Teil des Gesichts ist nun fertig:

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Die Ohren:

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Die Stirn:

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Der Hals:

Bei Männern ist der „Adamsapfel“ ein charakteristisches Merkmal und sollte nicht übersehen werden!

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An dieser Stelle sollten wir unser bisheriges Werk noch einmal kritisch betrachten. Kleinere Änderungen sind auch zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich, im Großen und Ganzen sollte uns unser Werk nun allerdings gefallen, da wir nun zur nächsten Ebene kommen, den Haaren.

Teil 9 folgt in Kürze..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Farbliche Gestaltung Nase und Mund- Anleitung Portraitmalen Teil 7

Das ist der siebte Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“.

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Nase und Mund

Die Nase:

Als nächstes folgt der für mich immer schwierigste Teil des Gesichts – die Nase.

Warum ist die Nase schwieriger als die Augen? Weil sie wenig klare Linien hat und ja eigentlich eine dreidimensionale Form hat, die auf unserem Blatt nur zweidimensional, hauptsächlich durch Schattierungen, dargestellt werden muss.

Aber auch hier gehen wir nach bewährter Weise vor: Zunächst die verschiedenen Farbflächen grob vor malen, wobei hier zunächst den dunkleren Bereichen eine höhere Bedeutung zukommt.

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Dann die Flächen vermalen und Details (hier die Nasenlöcher) einfügen. Zum Schluss wieder die hellen Akzente setzen. Durch das Zusammenspiel von dunklen Bereichen (weiter hinten liegende Bereiche und Schatten) und hellen Bereichen (liegen weit vorne und werden angeleuchtet) entsteht der dreidimensionale Eindruck.

Noch ein Tip: Die Farbe schwarz verwende ich außer in den Pupillen (und gegebenenfalls für Haaren) nicht in einem Gesicht. Schatten, Wimpern und Nasenlöcher male ich mit einem dunklen Braun (z.B. Sepiabraun), da Schwarz viel zu intensiv und zu kalt ist. Außerdem macht Schwarz die Farben beim Mischen „dreckig“.

Es folgt der Übergang zwischen Nase und Mund. Dieser ist in der Regel recht einfach und unspektakulär, bei unserem Daniel Craig jedoch sehr ausgeprägt und ein charakteristisches Merkmal seines Gesichts und bedarf daher einer größeren Aufmerksamkeit als gewöhnlich.

Wieder können wir nur durch Schattierungen die dreidimensionale Ausprägung der Rinne zwischen Nase und Oberlippe darstellen, wobei die tiefer liegenden Bereiche dunkler und die hochstehenden Bereiche heller sind. Zum Herausarbeiten der hellen Bereiche eignet sich hier ein gut gespitzter Radierstift sehr gut.

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Wie ihr vielleicht bereits gemerkt habt, gehe ich nicht nach der klassischen Aquarellier-Methode vor und lasse an hellen Stellen die Farbe weg, sondern male erst Farbe hin, die ich dann gezielt wieder wegnehme. So erreiche ich viel weichere Farbübergänge, die ich gerade bei den Portraits brauche und die den Fotorealismus meiner Bilder unterstützen.

Der Mund:

Auch der Mund ist nicht so einfach, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Schaut man sich einen geschminkten Frauenmund an, ist es kein Problem, diesen zu malen: gut abgegrenzte Umrandungen, homogene Farbe, höchstens ein paar Lichtreflexe. Doch bei ungeschminkten Lippen und erst recht bei einem Männermund, sieht die Sache schon ganz anders aus. Dort finden sich keine klaren Linien (wie wir ja schon bei der Vorzeichnung gemerkt haben), erst recht keine einheitliche Farbe und die Übergänge zur normalen Haut (vor allem bei der Unterlippe) sind sehr fließend.

Also gehen wir wieder vor wie gehabt: keine Linien malen (außer die, die wir haben wollen, hier die Falten in der Unterlippe), erst Farbflächen festlegen und dann vermalen.

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Den Übergang Richtung Kinn lasse ich zunächst sehr diffus.

Achtung: Bei der Farbe der Lippen solltest du vor allem bei Männerlippen auf intensive Rottöne verzichten! Besser geeignet sind rötliche Brauntöne (z.B. Caput mortuum (Nr. 645), Englisch-Venez. Rot (Nr. 649) oder Krappbraun (Nr. 670)). Bei intensiven Rottönen wirken die Lippen sonst später wie geschminkt und aufgespritzt.

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Dann den unteren Rand der Unterlippe in Hautfarbe (ich benutze als Haut-Grundton            Nr. 230 Neapelgelb rötlich) auslaufen lassen und mit dem dunklen, tiefer liegenden Teil zwischen Mund und Kinn verbinden.

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Zum Schluss wie immer alles vorsichtig vermalen und die hellen Akzente in die Lippe setzen.

Damit haben wir den wichtigsten Teil des Gesichts geschafft und man kann ihn schon ganz gut erkennen.

 

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So, damit haben wie auch den Mund fertig.

Teil 8 (Wangen, Kinn, Ohren, Stirn und Hals) folgt in Kürze..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Farbliche Gestaltung Augen – Anleitung Portraitmalen Teil 6

Das ist der sechste Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“.

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Das Gesicht:

So, jetzt stehen wir wieder vor der Frage, womit wir beginnen. Das Gesicht selbst hat drei Ebenen: Das Auge (die Ebenen des Auges haben wir am Anfang der farblichen Gestaltung schon besprochen), dann die Haare (Augenbrauen, Bart und Kopfhaar) über der Haut. Später folgt noch die Ebene der Kleidung, die Haut und gegebenenfalls Haare bedeckt.

Es ist also ganz einfach: Wir fangen mit den Augen an.

 Augen:

Die Augen sind das Wichtigste des Portraits, da es durch sie lebendig wird!

Auch bei den Augen fangen wir wieder mit der untersten Ebene an, den weißen Bereichen des Auges. Ich male diese immer mit Deckweiß aus, da kein Auge blütenrein wie das Papier ist und sich die richtige Farbe und die Übergänge viel leichter gestalten lassen, wenn eine weiße Grundierung vorhanden ist.

Danach beginne ich mit der Pupille. Dabei decke ich die Lichtreflexionen, die das Auge lebendig machen, mit Rubbelkrepp ab, um nicht darum herum malen zu müssen.

Dann fülle ich die Pupille von innen nach außen sternförmig mit schwarz aus (keine scharfe Linie ziehen, die gibt es im Auge nicht). Auch den dunklen Ring um die Iris gestalte ich mit kleinen Strichen und nicht mit einer durchgehenden Linie.

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Dann immer von innen nach außen sternförmig die verschiedenen Bereiche mit Farbe füllen.

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Und schließlich die Farben miteinander vermalen

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und helle Akzente setzen (z.B. mit dem Radierstift einige Bereiche der Iris aufhellen).

Wenn ich zufrieden mit dem Ergebnis bin entferne ich das Rubbelkrepp und „entschärfe“ die Farbränder. Dann werden die weißen Bereiche des Auges entsprechend der Vorlage gestaltet.

Danach folgt die nächst Ebene – das Augenlid.

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Und schließlich, als vorderste Ebene, die Wimpern.

Achtung: Frauen haben in der Regel längere Wimpern als Männer, so dass auch die weiteren Bereiche der umliegenden Haut zuerst gemalt werden sollten, da diese von den weiblichen Wimpern überdeckt werden könnten.

Ebenso macht ihr es mit dem anderen Auge.

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Hier noch ein Hinweis zum Umgang mit den Farben: Ich benutze nie Farbe pur aus dem Napf!

Jede Farbe, auch wenn ich sie nicht mischen möchte, wird erst auf die „Mischpalette“ aufgetragen und von dort aus benutzt. Dadurch lassen sich die Farbintensitäten viel besser bestimmen und das Mischen der Farben fällt leichter. Außerdem bleiben die ursprünglichen Farben sauber.

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Danach folgt die Gestaltung der das Auge umgebenden Bereiche. Ihr werdet schnell feststellen, dass die vorgezeichneten Linien unter der Farbe verschwinden. Daher male ich Linien, die ich später noch brauchen werde (z.B. die Falten), mit dünnen, nicht zu dunklen Strichen vor.

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Wie auch im Auge fange ich mit groben Farbbereichen an, die ich dann immer mehr vermale und verfeinere. Wie ihr sehen könnt, ist die Augenbraue (vorderste Ebene) noch ausgespart, aber die Hautpartie darüber schon mit einbezogen.

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Jetzt folgt die „Grundierung“ des Augenbrauen-Bereichs mit stark verdünnter Farbe.

Das ist nötig, damit später keine weißen Stellen zwischen den Augenbrauen-Haaren hervorleuchten.

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Dann werden die einzelnen Härchen der Augenbraue mit einem ganz dünnen Pinsel (0er) gemalt.

Achtung: Wuchsrichtung der einzelnen Haare beachten!

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Wenn die Farbe gut angetrocknet ist, mit einem dickeren Pinsel (1er), mit der gleichen, stark verdünnten Farbe die Augenbraue vorsichtig vermalen. Achtung, nicht zu fest und/oder zu oft über die gleiche Stelle gehen, da die Farbe sonst zu stark angelöst wird!

Wie ihr an diesen Beispielbildern sehen könnt, lasse ich Farbkanten nur dort stehen, wo ich sie auch später noch sehen möchte (hier als Falten) und lasse alle anderen Farbflächen „auslaufen“, damit ich dort später wieder ohne unschöne Farbkanten neu ansetzen kann.

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So, damit haben wie den Bereich der Augen fertig und können uns im nächsten Teil der Nase und dem Mund zuwenden.

Teil 7 folgt in Kürze..

Farbliche Gestaltung – Anleitung Portraitmalen Teil 5

Das ist der fünfte Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“. Die Übersichtsseite finden Sie hier


Farbliche Gestaltung:

Eine wichtige Regel bei der farblichen Gestaltung ist, dass man immer vom Hintergrund zum Vordergrund malt. Dies ist so, weil Dinge im Vordergrund Dinge im Hintergrund überdecken.

Es gibt zwei große Bereiche auf unserem Portrait-Bild: den Hintergrund selbst und das Portrait im Vordergrund, das Bereiche des Hintergrunds überdeckt.

Auch im Portrait selbst gibt es verschiedene Ebenen, bei denen eine Reihenfolge eingehalten werden sollte, z.B. das Auge: das innere des Auges wird von den Lidern überdeckt, die Wimpern überdecken wiederum das Augenlid.

Man sollte sich also genau überlegen, welche verschiedenen Ebenen es gibt und wie diese zueinander stehen.

Daher fange ich jedes Portrait mit dem Hintergrund an.

1. Hintergrund:

Es gibt Bilder, bei denen der Hintergrund wichtig für die Aussage des Bildes ist (siehe z.B. – Galerie – Film – „Die Bestimmung“). Bei anderen Bildern trägt der Hintergrund nichts zur Aussage des Bildes bei und sollte daher eher schlicht und unauffällig gehalten sein, um nicht vom eigentlichen Bild abzulenken – mein Hintergrund der Wahl ist in solchen Fällen ein „Wolkenhimmel“.

Folgende Dinge solltet ihr euch bereitlegen:
alter, nicht zu dicker Pinsel
Rubbelkrepp
Dicker Pinsel (10er)
Farbkasten
Kosmetiktücher
Glas mit sauberem Wasser
Pipette

Um den Hintergrund möglichst schnell und einheitlich gestalten zu können und nicht an den Rändern der Vorzeichnung ganz vorsichtig entlangmalen zu müssen, benutze ich „Rubbelkrepp“ (siehe oben bei Materialien). Rubbelkrepp ist ein sogenannter Maskier-Film, eine flüssige, gummiartige Substanz, die mit dem Pinsel aufgebracht werden kann und dann antrocknet. Er bildet im getrockneten Zustand eine Art Barriere, die unsere Zeichnung vor ungewünschter Einfärbung schützt. Dabei muss nicht die ganze Zeichnung abgedeckt werden (Maskiert werden), es reicht, die Außenlinien mit einer dünnen! Schicht Rubbelkrepp zu bedecken (siehe unten).

Dabei sollte der Pinsel immer von Inneren der Zeichnung nach außen zum Hintergrund ausgerichtet sein.

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Achtung: Zum Auftragen von Rubbelkrepp sollte man einen alten, ausrangierten Pinsel benutzen, da sich das Rubbelkrepp leider nicht rückstandslos auswaschen lässt und der Pinsel danach für das Aquarellmalen nicht mehr benutzt werden kann.

So, jetzt kommen wir zum eigentlichen Gestalten des Hintergrunds und unserer ersten Berührung mit den Aquarellfarben.

Wenn man sich die Farben in den Näpfen so ansieht, ist es sehr schwer, sich die Wirkung der Farbe auf dem Papier vorzustellen. Um nicht ständig Farbproben auf einem „Schmierblatt“ machen zu müssen, habe ich mir eine Farbpalette angelegt, auf der ich jede Farbe von der stärksten Farbsättigung bis zur Schwächsten ausgemalt habe. Dabei entspricht jedes Farbkästchen dem Standort des entsprechenden Näpfchens im Farbkasten und ist mit der Farbnummer zu leichteren Nachkauf versehen (siehe auch „Benötigtes Material“)

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Hintergrund:

Zunächst sucht ihr euch einen (oder auch mehrere) Blautöne für den Hintergrund aus. Mit der Pipette tropft ihr einen Tropfen Wasser auf den entsprechenden Blauton und einige Tropfen auf den Deckel eures Farbkastens (oder eine andere Mischpalette). Nachdem die Farbe im Farbnäpfchen etwas angelöst ist, rührt ihr euch einen gewissen Farbvorrat an. Die Farbe sollte ziemlich wässerich sein, da der Himmel ansonsten wie „angestrichen“ aussieht.

Wenn der Rubbelkrepp angetrocknet ist, feuchten wir den ganzen Bereich des Hintergrunds mit einem dicken Pinsel, ohne Farbe, gut an (feucht, aber keine Pfützen auf dem Papier). Durch das Anfeuchten saugt uns das Papier nicht so schnell die Farbe auf und der Hintergrund kann gleichmäßiger (das heißt hier ohne Farbkanten) gestaltet werden und bleibt länger zur Bearbeitung feucht.

Jetzt mit dem dicken Pinsel die vorbereitete Farbe ungleichmäßig auf dem Hintergrund verteilen.

Möglichst den ganzen Hintergrund auf einmal fertigmalen, da es sonst doch noch zu unschönen „Trocknungskanten“ kommen kann, die man im ungünstigsten Fall nicht mehr richtig vermalt bekommt.

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Hier sieht man gut, wie die Farbe an der „Rubbelkrepp-Kante“ aufgehalten wird.

Kurz antrocknen lassen und dann mit einem zusammengeknüllten Kosmetik-Tuch „Wolken“ abtupfen.

Mit ein wenig Übung kommen dabei ganz tolle Gebilde zustande.

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Jetzt solle der Hintergrund sehr gut trocknen. Wenn das Blatt wieder richtig trocken ist (ich gehe vorsorglich am Schluss noch einmal mit einem Föhn über den Hintergrund), könnt ihr den Rubbelkrepp abrubbeln. Rubbeln und nicht ziehen! Wenn man den Rubbelkrepp abziehst, macht man sich das Papier unter dem Rubbelkrepp kaputt.

Wo der Rubbelkrepp die Farbe aufgehalten hat, hat sich eine scharfe Farbkante gebildet.

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Da die Haare später den Hintergrund überdecken werden, sind scharfe Kanten, die man später durchschimmern sehen würde, unerwünscht. Daher geht man mit einem angefeuchteten sauberen Pinsel über die Kanten und vermalt die Farbe, um einen weichen Übergang zu bekommen.

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Damit ist der Hintergrund fertig und wir können mit der farblichen Gestaltung des Gesichts beginnen.

Teil 6 folgt in Kürze..

Vorzeichnung übertragen – Anleitung Portraitmalen Teil 4

Das ist der vierte Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“. Die Übersichtsseite finden Sie hier


Vorzeichnung übertragen:

Ich fange immer mit der Pupille des Auges auf der linken Seite an (ihr könnt euch natürlich auch eine andere Stelle zum Anfangen aussuchen), da die Pupille ein fester, gut definierbarer Punkt ist, an dem ich mich für die folgenden Linien gut orientieren kann. In diesem Fall liegt die Pupille im 9ten senkrechten Kästchen und genau auf der Linie zwischen dem 9ten und 10ten waagerechten Kästchen.

Pupille

Dann arbeite ich mich Kästchen für Kästchen weiter und übertrage Linie für Linie, was nicht wirklich schwer, sondern einfach nur viel Arbeit ist. Je genauer man dabei ist, desto größer wird die Ähnlichkeit. Wenn ich das Auge fertig vorgezeichnet habe, löse ich mich von den einzelnen Kästchen und schaue mir noch einmal das „Gesamtbild“ an und kann noch kleine Korrekturen vornehmen.

Dann nehme ich mir das zweite Auge vor, bevor ich mit der Nase und dem Mund weiter mache.

Ihr werdet bald merken, dass die Augen das Einfachste zum Vorzeichnen sind, da sie klare Linien haben, die sich verhältnismäßig leicht übertragen lassen.

Bei der Nase und beim Mund ist es schon schwieriger, da man sich in der Regel nur an wenigen klaren Linien, sondern mehr an Schatten und Schattierungen orientieren muss. Spätestens hier wird klar, dass eine gute, scharfe Vorlage Gold wert ist.

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Wenn der Bereich Augen, Nase und Mund (der durch das zusätzliche kleine Raster abgedeckt ist), fertig vorgezeichnet ist, entferne ich vorsichtig diese Rasterfolie und radiere noch vorsichtiger die zusätzlichen Rasterlinien weg. Dabei ist es unvermeidlich, dass man die eine oder andere Linie dabei mit wegradiert. Diese wegradierten Linien solltet ihr sofort wieder nachzeichnen, da man später garantiert nicht mehr weiß, wo diese vorher waren.

Dann zeichnet ihr die jetzt unterbrochen Rasterlinien des „großen“ Rasters wieder nach und fangt wieder an, Kästchen für Kästchen und Linie für Linie abzuzeichnen, bis das gesamte Bild vorgezeichnet ist.

Wenn ihr zufrieden mit der Vorzeichnung seid, könnt ihr die Rasterfolie von der Vorlage entfernen. Es ist wichtig, die Vorzeichnung noch einmal genau mit der Vorlage zu vergleichen, da es oft vorkommt, dass eine Linie der Rasterfolie Details der Vorlage verdeckt hat.

Wenn alles überprüft und zufriedenstellend ist, können die Rasterlinien wegradiert werden.

Damit ist die Vorzeichnung abgeschlossen.

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Teil 5 folgt in Kürze..

Rastervergrößerung – Anleitung Portraitmalen Teil 3

Das ist der dritte Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“. Die Übersichtsseite finden Sie hier


 Anfertigung einer Rastervergrößerung:

Was ist eine Rastervergrößerung?

Wir möchten eine Vorlage in DIN A4 proportional auf unseren Block übertragen, also ohne Verzerrungen in Höhe und/oder Breite.

Dazu fertigen wir uns zunächst eine Rastervorlage auf Overheadfolie an, indem wir ein Raster mit einer Kästchengröße von 1 cm x 1 cm anfertigen. Die äußeren Zeilen nummerieren wir von 1 bis 20 durch, die Spalten von 1 bis 28.

Raster

Die mit dem Raster versehene Folie wird jetzt auf unserer Malvorlage platziert und mit Klebestreifen daran befestigt, damit sie nicht mehr verrutschen kann. Achtung, klebt die Folie am besten an der linken Längsseite fest, damit ihr sie hochklappen könnt!

Vorlage mit Raster

In dieser Beispielvorlage ergeben sich jetzt horizontal 20 Kästchen und in der Senkrechten 28 Kästchen. Das bedeutet für uns, dass wir auch auf unserem Block horizontal 20 Kästchen und senkrecht 28 Kästchen brauchen. Nur können wir jetzt nicht einfach hingehen und den Block einfach in 20 bzw. 28 Kästchen aufteilen, da diese Kästchen dann nicht proportional zu denen der Vorlage wären.

An dieser Stelle kommt jetzt der Taschenrechner zum Einsatz:

Wir teilen die Querseite des Blocks (30 cm) durch die Anzahl der Kästchen der Querseite der Rastervorlage (20 Kästchen) und bekommen den Wert 1,5 heraus. Diese 1,5 sagt uns, dass unsere Kästchen auf dem Block die Größe 1,5 cm x 1,5 cm haben müssen.

Jetzt nehmen wir diese 1,5 cm und nehmen sie mit der Anzahl der Kästchen der Längsseite der Rastervorlage (28 Kästchen) mal. Dabei kommen 42 cm heraus, was leider 2 cm mehr sind, als wir auf unserem Block zur Verfügung haben (der Block ist 40 cm lang).

Leider ist es meistens so, dass es nicht genau passt und man etwas basteln muss, um das richtige Maß zu finden.

Das bedeutet für uns also, dass wir die Kästchen etwas kleiner als 1,5 cm machen müssen. Versuchen wir es doch mal mit 1,4 cm:

40 cm durch 1,4 cm sind 28,57 Kästchen, das heißt, 28 Kästchen und ein kleiner Rest.

30 cm durch 1,4 cm sind 21,42 Kästchen, das heißt, wir haben unsere 20 Kästchen und 1 Kästchen und ein paar Millimeter zu viel. Diese Differenz ist absolut akzeptabel und wird später im Hintergrund nicht auffallen.

Im nächsten Schritt teilen wir also unseren Block in 1,4 cm große Kästchen auf, in dem wir unser großes Lineal und den Druckbleistift nehmen und am oberen Rand des Blocks alle 1,4 cm einen kleinen! Strich machen. Wichtig: Den Druckbleistift nehmen, da er eine gleichbleibende Strichbreite garantiert!

Das gleiche machen wir am unteren Rand des Blocks. Achtung, das Lineal immer an derselben Seite anlegen, sonst kommt es durch die Handhaltung zu Abweichungen!

Kleiner Tip:

Um nicht ständig 1,4 + 1,4 + 1,4 rechnen zu müssen, habe ich mir für die am häufigsten genutzten Maße eine Tabelle angefertigt, in der ich alle zu markierenden Punkte bereits im Voraus berechnet haben.

Tabelle für Raster

Jetzt verbinden wir die Punkte durch Linien und wiederholen das Ganze auf der Querseite, bis wir ein vollständiges Raster mit der Kästchengröße 1,4 cm auf unserem Block haben.

Raster auf dem Block

Achtung: Nur ganz leicht aufdrücken – das Raster wird später wieder komplett ausradiert und Linien, die zu stark ins Papier gedrückt wurden, wird man immer durchsehen.

Jetzt nummerieren wir die Kästchen genauso wie unsere Rastervorlage von 1 bis 20 bzw. von 1 bis 28.

Oben könnte Ihr sehen, dass ich links ein ganze Spalte Kästchen freigelassen habe, rechts einen kleinen Rand und unten auch einen kleinen Rand. Das sind die Kästchen, die bei unsere Berechnung als Differenz übergeblieben sind und jetzt einfach nicht beachtet werden.

Wir haben jetzt ein Raster fertig, das für alle Rastervergrößerungen genutzt werden kann – also nicht nur für Portraits, auch für alle anderen gegenständlichen Bilder oder Landschaften. Anfänger können mit diesem Raster absolut zufriedenstellend arbeiten und den nächsten Schritt ignorieren.

Für Fortgeschrittene oder ganz Ehrgeizige:

Portraits müssen sehr genau übertragen werden, schon kleinste Abweichungen können z.B. den Ausdruck der Augen stark verändern. Wenn wir uns jetzt die Größe der Kästchen auf unserem Block ansehen, ist 1,4cm x 1,4 cm noch ziemlich groß. Ich werde daher die Kästchengröße im Bereich der Augen, Nase und Mund noch einmal halbieren, indem ich eine zweite Rasterfolie anfertige und die Kästchengröße 1 cm x 1 cm auf 0,5 cm x 0,5 cm halbiere. Das Gleiche mache ich mit den Rasterkästchen auf dem Bock, die dann nur noch 0,7 cm x 0,7 cm groß sind.

Das ist echte Fleißarbeit, aber es lohnt sich!

Raster großRaster groß und klein

Die zweite Folie schiebe ich passgenau unter die erste Folie (darum sollte die erste Folie zum Aufklappen sein) und klebe sie fest. Wenn alles passt, kann ich die obere Folie mit den großen Kästchen hochklappen und nur das kleinere Raster benutzen (zwei Rasterfolien übereinander schlucken zu viel Licht). Später kann ich das große Raster wieder passgenau auf die Vorlage klappen.

Vorlage mit zwei RasternBlock mit zwei Rastern

zum nächsten Teil: 4. Vorzeichnung übertragen

Die Vorlage – Anleitung Portraitmalen Teil 2

Das ist der zweite Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“. Die Übersichtsseite finden Sie hier


 Jetzt geht es an die Vorbereitungen zum Malen.

Die Vorlage:

Wichtig ist zunächst eine möglichst gute Vorlage. Bei der Auswahl solltet ihr auf eine möglichst hohe Auflösung achten, da die Vorlage auf DIN A4 vergrößert und ausgedruckt werden muss. Ist die Auflösung zu gering, erkennt man später im Ausdruck nicht mehr genügend Details und die Linien fangen an zu verwischen. Aus einer schlechten Vorlage kann niemals ein gutes Bild entstehen!

Anzumerken ist noch, dass Männer mit vielen Linien im Gesicht viel leichter zu malen sind, als z. B. junge Frauen oder Kinder, die nur wenige Linien im Gesicht haben. Hier kann man sich nur an Schattierungen orientieren, was sehr schwer und für Anfänger daher ungeeignet ist.

 

Wenn ihr euch für eine Vorlage entschieden habt, schneidet sie mit einem geeigneten Programm auf den Ausschnitt, den ihr malen möchtet zu und drucke sie in DIN A4 randlos aus. Ich drucke meine Vorlagen immer auf Fotopapier aus, da auf normalem Papier zu viele Details beim Druck verloren gehen.

zum nächsten Teil: 3. Anfertigung eines Rasters

Benötigtes Material – Anleitung Portraitmalen Teil 1

Das ist der erste Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Anleitung Portraitmalen“. Die Übersichtsseite finden Sie hier


Benötigtes Material

Was ich euch hier aufzähle, ist mein Lieblingsmaterial, ihr könnt natürlich auch Material anderer Firmen oder vielleicht bereits vorhandenes Material benutzen. Achtet bitte nur darauf, dass es sich nicht um minderwertiges Material handelt, denn nichts ist ärgerlicher, als z. B. ein schönes Bild auf einem sich wellenden, weil zu dünnen Papier zu malen!

Aquarellblock: Hahnenmühle Fineart, Bamboo, Mixed Media 265 g/m², 30 x 40 cm (matt)

Block

Aquarell Block von Hahnenmühle

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Aquarellfarben: Schmincke Horadam Aquarell, Feinste Künstlerfarben

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Aquarellpinsel: Maderhaar in den Stärken 0, 1, 2, 3 und einen dicken Pinsel (Stärke 10 – muss kein Maderhaar sein, darf nur nicht haaren)

Vorgenannte Dinge sind unverzichtbar!

 

Folgende Dinge sind nicht zwingend nötig, erleichtern das Malen aber ungemein:

Rubbelkrepp: Schmincke, neutral

Rubbelkrepp

Radierstift: Faber-Castell, Perfection 7057, doppelseitig

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Außerdem braucht ihr folgende Dinge:

Druckbleistift 0,5
Lineal mind. 30 cm
Geodreieck
weiches, nicht färbendes Radiergummi: Läufer SW-0220
Taschenrechner
1 Overheadfolie in DIN A4
1 schwarzer, permanenter Folienstift S
Wasserglas
Küchentücher
Kosmetiktücher

zum nächsten Teil: 2. Die Vorlage